Mit Mozarts “Requiem”:

Hassler-Chor Malsch auf Konzertreise in Südfrankreich

26.08. - 01.09.2008

Nach den erfolg- und erlebnisreichen Konzertreisen nach Südfrankreich mit Mozarts „Krönungsmesse“ in 2005, Haydns „Schöpfung“ in 2006 und Händel „Messias“ im letzten Jahr wurde der Hassler-Chor Malsch und das von Norbert Krupp geleitete Orchester „Karlsruher Kammerensemble“ eingeladen, das „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart in Uzès (Languedoc) und Anduze (Cevennen) aufzuführen. Die Initiative hierzu war wie auch bisher von der in Südfrankreich lebenden Sopranistin und Chorleiterin Ilse Neumaier ausgegangen, die auch das Konzert vor Ort organisierte. Um es vorwegzunehmen: Auch 2008 wurde es ein großer Erfolg.

Die mittelalterliche Bischofsstadt Uzès liegt zwischen Cevennen, Rhone und Mittelmeer, das „bezaubernste Städtchen im Languedoc“ (Merian-Reiseführer) mit einer herzoglichen Burg in seiner Mitte, weiten Gewölbe-Arkaden, mit Platanen bestandenen Plätzen, engen, winkligen Gassen, historischen Denkmälern und Bauten, schmucken Geschäften und einladenden Restaurants, in einer sanften Hügellandschaft gelegen. Dort in der stimmungsvollen und einstimmenden Umgebung fand am 29. August 2008 in der barocken Kathedrale, der Bischofskirche, die erste der beiden Aufführungen statt.

Der Ort unseres zweiten Konzerts auf dieser Chorreise war Anduze, die „Pforte der Cevennen“, am Gardon, wo er aus den Bergschluchten in das weite Vorland tritt. Die Stadt gehört zum Kernland der Hugenotten, der französischen Protestanten. Hier versteckten sich sie sich in der Verfolgungszeit um 1700 und von hier aus kämpften sie als „Kamisarden“ gegen Ludwig XIV., der die Aufstände rigoros niederschlagen ließ. In Erinnerung an diese Zeit versammeln sich hier in der Nähe in jedem Jahr am ersten Wochenende des September die Hugenotten, und unser Konzert im Temple, der „Kirche“ der Hugenotten, wurde auch im Hinblick auf dieses Treffen auf diese Zeit terminiert. Anduze mit seinem zentralen Platz, der vom klassizistischen Temple, schmucken Bürgerhäusern und einem mittelalterlichen Uhrturm umgeben ist und von dem eine steinerne Brücke über den Gardon führt, ist mediterran geprägt und verbreitet mit seinen Straßencafés südländische Atmosphäre.

 

                                             Vor dem Konzert in der Kathedrale von Uzès:
     Die beiden Chöre und ihre Dirigentinnen (1.Reihe: 3. von links: Ilse Neumaier; 4. von links: Angelika Kölble)

 

Beide Konzerte wurden mit der „Sinfonia Concertante“ für Violine, Viola und Orchester KV 364 von W. A. Mozart eingeleitet. Dieses Doppelkonzert für Violine und Viola ist „die Krönung dessen, was Mozart in seinen Violinkonzerten angestrebt hat“ (Alfred Einstein, Mozartbiograf). Das Karlsruher Kammerensemble mit den Instrumentalsolisten Maria Lomonossowa (Violine) und Kilian Ziegler (Viola) unter der Leitung von Norbert Krupp brillierte mit einer Spielfreude, Geschlossenheit und Perfektion der einzelnen Orchesterstimmen, insbesondere aber in dem zu Herzen gehenden musikalischen Dialog der beiden jungen Solisten, die einen rauschenden, nicht enden wollenden Szenenapplaus hervorriefen.

Für die anschließende Aufführung des „Requiems“ KV 626, Mozarts letztes und vielleicht eindringlichstes Werk, war es Wunsch der französischen Partner, ihren Chor, den Chor aus Uzès, den ihre Chorleiterin Ilse Neumaier vorbereitet hatte, einzubeziehen. So bildete sich eine „Chorgemeinschaft“, bestehend auf deutscher Seite aus dem Hassler-Chor Malsch mit den am Projekt teilnehmenden Sängerinnen und Sängern (aus Karlsruhe und Umgebung, aber auch aus Stuttgart, Berlin, Sylt) sowie auf französischer Seite aus dem Chor „L’Ensemble vocal Carissimi de l’Uzège“. Paritätisch war die Verteilung bei den Dirigaten: Ilse Neumaier dirigierte die Aufführung in Uzès, Angelika Kölble in Anduze. Vokalsolisten waren aus Frankreich Marie-Noelle Cros (Sopran; in Uzès), aus Deutschland Ilse Neumaier (Sopran; in Anduze), Angelika Kölble (Alt; in Uzès), Gudrun Heller (Alt; in Anduze), Alexander Kölble (Bass; in beiden Aufführungen) und aus Frankreich Patrick Garayt (Tenor; in beiden Aufführungen). Dass aus dieser Vielfalt „ein Chor“ und zusammen mit den Solisten und dem Orchester eine musikalische, klangliche und harmonische Einheit wurden, lag am Engagement, an der musikalischen Erfahrung und am Können der Chorsängerinnen und -sänger (beide Chöre waren jeweils von Angelika Kölble und Ilse Neumaier bestens einstudiert), der Solisten und des Orchesters; insbesondere aber war es das Verdienst der beiden Dirigentinnen Angelika Kölble und Ilse Neumaier, die das Experiment wagten, die musikalische Leitung für jeweils eines der beiden Konzerte zu übernehmen, und die es dabei doch verstanden, in der knapp bemessenen gemeinsamen Probezeit die verschiedenen Gruppen zusammenzuführen, und ein einheitliches musikalisches Verständnis des Werks zu vermitteln.

Das Publikum in der voll besetzten Kathedrale von Uzès und im gut besuchten Temple von Anduze war begeistert. Es gab immer wieder aufbrandenden Beifall für die Akteure, vor allem für die Dirigentinnen Angelika Kölble und für Ilse Neumaier. Auch die Mitwirkenden - Chor, Orchester und Solisten - zollten ihnen begeisterten Applaus. Bei den sich anschließenden Empfängen feierten alle in Freude und Hochstimmung das musikalische Ereignis. Es war deutlich spürbar, wie die kulturelle Gemeinsamkeit, wie die Sprache der Musik Nationen übergreift und verbindet, Verständnis und Freundschaft bewirkt und fördert.

                 Ungewöhnlich: Auf dem begehbaren Dach der Kathedrale von Stes. Maries de la Mer

 

Für den Hassler-Chor und den mitreisenden Projektsängerinnen und -sängern war die Konzertreise eine 7-tägige Unternehmung, in der das Programm zwar von den Proben, dem Aufführungstermin und -ort und der Zusammenarbeit mit dem Orchester und den Mitwirkenden vor Ort vorgegeben war, doch gab es gelegentlich Zeit, Anduze, Uzès und die schroffe, wild-romantische Gegend der Cevennen zu erkunden und zu genießen. Wir waren ja mit dem Bus unterwegs und dadurch für Besichtigungen und Touren beweglich.

Der Aufenthaltsort, wo wir logierten, war Anduze, genauer: Le Pradal, ein Campingplatz nahe an Anduze am Ufer des Gardon - dort, wo er aus der tief eingegrabenen Felsschlucht, an deren Hängen Korkeichen und Kastanien der Landschaft das Gepräge geben, in das sanftere südfranzösische Bergland westlich der Rhone tritt. Dort wohnten wir in kleinen komfortablen pavillonähnlichen Häuschen - mit einem einladenden Schwimmbad, einem Restaurantgarten, der für unser tägliches Frühstück und Abendessen hergerichtet war, und einem zentralen Gastraum, der uns auch als Probensaal diente. Die Wirtsfamilie, die uns versorgte, gab sich außerordentlich viel Mühe, war zuvorkommend und vermittelte uns das Gefühl, herzlich willkommen zu sein.

Der Tag nach dem zweiten und letzten Konzert diente der Entspannung mit einem Ausflug nach Arles und an die Mittelmeerküste nach Stes. Maries de la Mer. Dominierte in Arles noch der kulturelle Aspekt (römisches Amphitheater und Antikes Theater, Thermen, Vincent van Gogh), so luden in Stes. Maries der Strand, das Meer, die warme Luft und das maritime Flair zur Entspannung, zum Bummeln und/oder zum Baden ein.

Die Konzertreise des Hassler-Chors war rundum gelungen: Am wichtigsten war der musikalische Aspekt, der in der exzellenten Zusammenarbeit aller Mitwirkenden begründete musikalische Erfolg, der - soweit es den Hassler-Chor betraf - vor allem der Leistung und dem Charisma seiner Dirigentin Angelika Kölble zu verdanken war. Die musikalische Arbeit wurde durch das Ambiente beflügelt, wie es die Landschaft, die Städte und die Menschen in dieser Gegend Südfrankreichs bieten. Und letztlich wurde das alles bewirkt durch die engagierte Bereitschaft der zusammenreisenden Sängerinnen und Sänger, zum Gelingen beizutragen. So bildete sich eine Gemeinschaft, die mit ihrer guten, vor allem nach den Konzerten auch euphorischen Stimmung die Reise zu einem eindrucksvollen und nachhaltigen Erlebnis werden ließ. Und darum war man sich einig, bei einem ähnlichen Projekt im nächsten Jahr wieder dabei zu sein (und auch weitere Projektsänger und -sängerinnen sind herzlich willkommen) - im Gespräch ist die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach...!